Zuletzt aktualisiert am 20.4.2005
Akuttraumatologie

Der größte Anteil der in unserer Klinik durchgeführten Eingriffe, dient der Wiederherstellung akut aufgetretener Verletzungen (ca. 1000 Osteosynthesen langer Röhrenknochen pro Jahr). Dazu zählen sämtliche Verletzungen und Frakturen im Rahmen von Arbeits-, Haus-, Sport- und Verkehrsunfällen. Diese reichen von kleinen Schnittwunden über Sprung- und Handgelenkfrakturen, Frakturen großer Röhrenknochen und sämtlicher weiterer Bereiche des Bewegungs- und Stützapparates.

Der raschen Versorgung solcher Frakturen kommt große Bedeutung zu, so dass die Operationen, unter Berücksichtigung der begleitenden Umstände (Weichteilsituation/Nüchternheit des Patienten), nach Möglichkeit, unabhängig von der Tageszeit, sofort durchgeführt werden.

Um weitere Folgeschäden durch Knochenbrüche zu vermeiden (Weichteil-/Nerven- und Gefäßschäden) muss eine möglichst exakte Reposition der Fraktur erfolgen. Die Stabilisierung erfolgt nach modernsten evidenzbasierten Kriterien und unter Verwendung ausschließlich modernster Implantate (z. B. winkelstabile Titanimplantate). Dies ist erforderlich, um eine höchste Stabilität der Frakturen zu gewährleisten, was wiederum dazu führt, dass die Patienten frühfunktionell behandelt, zügig mobilisiert und schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Die meisten der heute verwendeten Implantate müssen nicht zwingend entfernt werden.
Deutliche Abflachung des Böhler-Winkels: Fraktur des Fersenbeines. Um einen vorzeitgen Gelenkverschleiß zu verhindern, muss hier eine möglichst genaue Wiederherstellung erfolgen.
Aufrichtung des Böhler-Winkels nach OP: Mit modernsten Implantaten lässt sich eine nahezu anatomisch exakte Rekonstruktion dieser schweren Verletzungen erreichen.

Fersenbeinbrüche bedürfen einer möglichst exakten Rekonstruktion, damit eine posttraumatische Arthrose des unteren Sprunggelenkes vermieden werden kann. Neben modernen Implantaten aus Titan (Clacaneusplatte), welche in den letzten Jahren immer weiter entwickelt wurden,  bedarf es auch einer großen Erfahrung des Operateurs. So muss zum Beispiel gewährleistet sein, dass eine Mindestanzahl an solchen Eingriffen regelmäßig durchgeführt wird, um den geforderten Standard zu erreichen.

a.p. Röntgenbild einer lateralen Tibiakopffraktur
Computertommografische 2-D Rekonstruktion der Fraktur
Arthroskopische Sicht auf das Tibiaplateau (oben die Oberschenkelrolle, in der Mitte der Meniskus; die Pfeile deuten auf die Unterbrechung der Knorpelkontur im Tibiaplateau)
Rekonstruktion der Fraktur durch winkelstabile Titanplattenosteosynthese


Im oben gezeigten Beispiel handelt es sich um eine Fraktur des Schienbeinkopfes, welche durch Platten- und Schraubenosteosynthese versorgt wurde. Da die Fraktur auch in die Kniegelenkfläche hineinstrahlt, muss hier zusätzlich auf eine exakte Wiederherstellung der Gelenkfläche geachtet werden. Um dies zu ermöglichen, werden in unserer Klinik alle Schienbeinkopfbrüche grundsätzlich arthroskopisch assistiert operiert. Das heißt, dass zusätzlich zu der offenen Palttenosteosynthese des Tibiakopfes stets die korrekte Wiederherstellung der Gelenkfläche unter arthroskopischer Sicht überwacht wird.

a.p. Strahlengang einer Schienbeinschaftfraktur; Versorgung mit Sirusnagel; Pfeil zeigt auf den Frakturspalt im Schienbeinschaft
Seitlicher Strahlengang im Röntgenbild; der Nagel ist dynamisch verriegelt; Pfeile zeigen auf den Frakturspalt im Schienbeinschaft


Die Osteosynthese von Schienbeinbrüchen mit intramedullären Implantaten gehört heute zu den Routineverfahren in der Unfallchirurgie. Auch hier besteht der Vorteil darin, dass die Fraktur geschlossen reponiert werden kann. Der Nagel wird über einen kleinen Schnitt unterhalb der Kniescheibe eingebracht. Die Verriegelungsbolzen werden über zusätzliche kleine Stichinzisionen an entsprechender Stelle eingebracht.

Schultereckgelenk vor OP
Schultereckgelenk nach der OP

Verletzungen des Schultereckgelenkes kommen vor allem bei Fahrrad oder Motorradunfällen vor und müssen bei entsprechenden Schweregraden operativ versorgt werden. Die zerrissen Bandstrukturen werden im selben Eingriff rekonstruiert (modifiziertes Procedere nach Weaver und Dunn).

Acetabulumfraktur
CT-Darstellung der Fraktur
Wiederherstellung der Gelenkpfanne durch Rekonstruktionsplatten
Übersichtsaufnahme nach erfolgter Versorgung

Frakturen der Hüftpfanne, sog. Acetabulumfrakturen (s.o.) bedürfen einer starken Gewalteinwirkung auf das Becken. Sie entstehen meistens im Rahmen von Hochrasanztraumen, wie sie zum Beispiel bei Verkehrsunfällen oder bei Stürzen aus großer Höhe passieren. Diese Verletzungen sind selten isoliert und meistens von weiteren schweren Verletzungen begleitet.

Eine besondere Berücksichtigung erfordert die Versorgung von polytraumatisierten Patienten.

 

Polytrauma

Als Mehrfachverletzung oder Polytrauma bezeichnet man eine gleichzeitig entstandene Verletzung mehrerer Körperregionen oder Organsysteme, wobei wenigstens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer Verletzungen lebensbedrohend ist (Tscherne).

Diese schwerstverletzten Patienten stellen die größte Herausforderung an das ärztliche und pflegerische Personal. Um eine rasche und gezielte Diagnostik ohne zeitlichen Verzug zu gewährleisten, bedarf es spezieller personaler und infrastruktureller Voraussetzungen.

Durch die koordinierte interdisziplinäre Zusammenarbeit von

  • Unfallchirurgen
  • Anästhesisten
  • Radiologen
  • Neurologen
  • Neurochirurgen
  • Pflegepersonal

sowie durch die strukturellen Voraussetzungen, welche unsere Klinik bietet, kann eine effiziente Einleitung wichtiger diagnostischer und therapeutischer Schritte erfolgen. Die Koordination der einzelnen Schritte sowie die Bestimmung deren Reihenfolge obliegt dem Unfallchirurgen, dem so genannten „Traumaleader“.

Durch das Vorhandensein eines Hochleistungs-Spiral-CT kann eine zeitsparende und exakte Diagnostik schwerverletzer Patienten erfolgen. Die so genannte  „Traumaspirale“ umfasst dabei die Bild gebende Unteruchung von Kopf, Wirbelsäule, Brustkorb, Bauch und Becken.

Noch im Schockraum erfolgen sodann die lebenserhaltenden und stabilisierenden Schritte, bevor der Patient anschließend entweder operativ versorgt, oder zur weiteren Stabilisierung auf unsere chirurgischen Intensivstation verbracht wird.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt in der Rekonvaleszenz von Polytrauma-Patienten ist eine effektive Rehabilitationstherapie. Diese ist in unserer Sonderstation für Schwerunfallverletzte in Bad Münder/Hachmühlen gegeben.